Amelia

Schon lange wollte ich dieses „Schweigen“ in der Gruppe, im Kloster oder wo auch immer einmal ausprobieren. Aber irgendwie fühlte sich nichts so wirklich vollkommen gut an was ich so im Netz fand. Und wie es das Universum so wollte, ein ein halb Wochen vor meinem Geburtstag fand ich per Zufall auf Facebook einen Link von Aesthetic Matters. Schweigen im Schwarzwald…….uff und da war es und mein Geburtstagsgeschenk an mich selbst war gefunden. In einer Zeit, in der ich stetig unter Menschen bin und stets im Fahrwasser von Arbeit, Familie und Selbstständigkeit, dürstete ich unglaublich nach der Stille und der Einfachheit. Ich fühlte mich tonnenschwer und in meinem kleinen Universum gefangen.
In diesem Zustand spuckte mir der kluge Facebook Algorithmus das Schweigeretreat von Aesthetic Matters für mein langes Geburtstagswochenende aus. Neugierig geworden, las ich mir die Kurzbeschreibung durch und war fasziniert. Schweigen im Schwarzwald, in der Natur, mit Yoga, Schreiben und vielem mehr, das klang verlockend.
Und so fand ich mich mitten im Schwarzwald in einem kleinen Tal in der Nähe von St. Peter wieder, eine halbe Stunde von mir Zuhause entfernt und doch so unglaublich weit weg. Dieser Ort, er war irgendwie magisch. Mitten im Nirgendwo eine liebevoll eingerichtete Outdoorküche, ein erfrischender Bach mit frischem Quellwasser und ein faszinierendes Kuppelzelt mit Ofen, für die Teilnehmer zum Übernachten.
Eine super spannende Mischung aus völlig unterschiedlichen Charakteren und Geschichten. Wir lernten Elena kennen,( Daniel konnte leider nicht dabei sein), die das Seminar leitete. Komfortzone: Ade…und nicht sprechen. Nach und nach trudelten alle Teilnehmer der Gruppe ein und an diesem ersten Nachmittag und Abend durften wir noch miteinander sprechen und dann hieß es, Stille. Ich konnte es nicht erwarten.

An unserem ersten Abend zogen wir Tarotkarten, aßen gemeinsam zu Abend und trafen uns dann im Dom zu einem gemeinsamen Redekreis. Unser Thema für die kommenden Tage sollte die Stille sein und wir tauschten unsere Erfahrungen darüber aus und erzählten uns, was unsere Motivation und unsere Wünsche für die kommende Zeit waren. Es war ein sehr bewegender Abend, denn durch den Raum, den Elena für uns schaffte, konnten wir uns gegenseitig wirklich öffnen. Sehr berührt und seltsam verbunden mit den anderen Teilnehmern gingen wir nach einem sehr intensiven Austausch in das Schweigen hinein.Ich freute mich unglaublich auf das Schweigen. Ich freute mich auf die Ruhe, ich freute mich darauf, dass ich keinen Smalltalk würde führen müssen, sondern einfach sein konnte und ich war gespannt, was sich zeigen würde in diesen Tagen. Ich genoss den Sternenhimmel, die kalte Abendluft und sogar die Massen an Regen, die der liebe Gott für uns heruntergoss.
Wir begrüßten den Morgen mit einer Meditation und einer Yogaeinheit, durch die uns Elena führte. Auf das Yoga Nidra (den Yogaschlaf) freute ich mich sehr und Elena lenkte uns mit ihrer schönen und beruhigenden Stimme eine Stunde in unsere eigenen Tiefen. Es war unglaublich entspannend. Und das Schönste, dass ich nach so kurzer Zeit schon sagen konnte: Ich fühlte mich so herrlich leicht. Ein tolles Gefühl.
Merkwürdigerweise war es tatsächlich nicht schwierig zu schweigen und wenn Kommunikation nötig war, verständigten wir uns durch Blicke und Gesten. Es war ein befreiendes Gefühl, nicht sprechen zu müssen. Die oft leeren Worthülsen fielen weg und eine ganz neue Art des Kennenlernen fand statt. Wir lernten uns kennen durch unsere Blicke und unsere Energien und im Verlaufe des Tages war spannenderweise Vertrauen gewachsen, auch ohne Worte. Nach einem Zusammenkommen im Kreis zogen wir wieder eine Tarot Karte. Unglaublich wie viel Wahrheit in so einer Karte stecken konnte. Danach schwärmten wir alleine aus. Und ich genoss es in vollen Zügen. Mich zog es nach oben. Nach einem kurzem Marsch war ich oben auf dem Berg angelangt. Eine Weitsicht über dem Schwarzwald. Ich hatte es wirklich vermisst, obwohl ich diese Sicht Zuhause jeden Tag hatte. Ich hatte den Blick dafür verloren. Und ja, genau so hatte ich mir das vorgestellt. Zeit für mich und Zeit, endlich alles aus meinem Kopf rauslassen zu können.

Und so verbrachten wir ein wundervolles Wochenende, zwar mit einer Struktur, die uns Elena mit Ihrer liebevollen Art vorgab und trotzdem waren wir irgendwie völlig frei. Ein Gefühl, dass ich erst lernen musste, zu akzeptieren. Schon lange nicht mehr hatte ich so unglaublich viel aufgeschrieben wie in diesen Tagen. Es fühlte sich befreiend an. Und schneller als wir alle wollten, war dieses Wochenende vorbei und wir räumten alles auf und trafen uns zum Abschluss noch einmal im Dom, um dann gemeinsam das Schweigen zu brechen und eine Abschluss Runde zu machen. Es war unglaublich wieviel Vertrauen und Intimität durch dieses Wochenende zwischen uns allen völlig fremden Menschen entstanden ist. Es ist wirklich ein unbeschreibliches Gefühl und jeder, wirklich jeder, sollte einmal diese Gelegenheit bekommen unter der Anleitung von Elena etwas so Schönes erleben zu dürfen.

Manchmal glaube ich gar nicht, dass es nur ein Wochenende war, es fühlt sich nach viel mehr an! Seitdem ist viel passiert! In mir drin und in meinem Leben. Ich fühle mich wie ausgewechselt und die Amelia, die ich eigentlich bin, kam plötzlich wieder zum Vorschein. Mein Partner sagte mir, als ich wieder heimkam, ich leuchte und genau so habe ich mich gefühlt. Gestärkt, leuchtend und echt.

Dieser ganze Prozess wäre durch die Begleitung von Elena nicht möglich gewesen deshalb verfasse ich diesen Text mit einer großen Dankbarkeit für unsere Begegnung und die Inspiration, die sie in mein Leben gebracht hat. Einen großen Dank gilt auch Elenas Mama, sie hat uns während des Retreats mit köstlichem Essen versorgt. Elena hat uns durch den Tag geführt, die Yogaeinheiten mit uns gemacht und ich glaube uns alle mit ihrer Stimme und Ihren Klängen verzaubert. Für mich war es inspirierend, Elena zu beobachten und diesen freien Lebensentwurf sehen zu dürfen. Mich wieder näher meinem eigenen Lebensweg zu fühlen. Und sie hat für uns einen Raum geschaffen, in dem wir alle sein konnten und jeder auf seine ganz eigene Art und Weise in die Prozesse eintauchte. Ein großer Dank geht auch an alle anderen Teilnehmer, es war eine für mich total schöne Erfahrung, im Schweigen Menschen kennenzulernen und mich ihnen verbunden zu fühlen. Es war erleichternd „nichts“ sein zu müssen, sondern einfach nur zu sein, ohne Erwartungsdruck zu spüren, und sich den Raum nehmen zu dürfen, den man gebraucht hat.